Nimmerwiedersehn.

Ach, Einsamkeit! Wie viele Pläne mache ich, wie vielen Bestrebungen gehe ich nach – nur, um Dich nicht sehen zu müssen? Berge versuche ich aufzutürmen und es sind doch nur Papphütten, die vom ersten Windstoß umgerissen werden. Du bist mir immernoch der Sinn eines jeden Regenbogens, weil du mir mein stummes Gewitter bist. Nur bei Dir, bin ich ganz – so stückenhaft und wacklig ich auch sein mag. Und eines Tages – so spricht es mein tiefstes Hoffen – wirst Du deinen Weg machen. Du wirst mich noch ein letztes Mal ansehen und gehen. Auf Nimmerwiedersehn, mein Freund.

Liebemensch

Du verlorene Sonne,
die sich in tiefe Meere
aus Verachtung und Verzweiflung
taucht.

Hoffnung, Hoffnung,
die keine Verachtung mag!
Die aber von Verachtung vergilbt,
verwaschen darliegt.
Plastikmensch – Ich.

Du verpfändetes Glück,
dessen gigantisch Herz
aus Licht und Sorge bestehend,
mich so braucht.
Plastikmensch – mich!

Auch ich bin Vermissen.
Jeden Morgen wandere ich
auf Wegen und Tränen,
zu Dir -
und von Dir fort.

Diese Tränen sind schön,
weil sie Bilder in Spiegel malen,
die Du nicht sehen kannst.
Aber um die Du weißt.

Alle Uhren sind kaputt,
in der Erinnerung,
die mir Dein Lächeln ist.
Liebemensch – Du!

Danke

Ich habe Dir viel Weh und Ach gegeben, aber du warst immer ein Freund. Du hast geschrien, du hast geweint, du hast gelitten, aber nie hast du deine Würde verloren. Du Mensch! Du Leben! Du Liebe! Und wenn wir jetzt unsere Wege gehen, so bist du immer ein Beispiel und ein tiefer Freund für mich. Ich kann Dich niemals vergessen. Ich trage Dich in mir. Ich gehe von Dir mit gekrümmten Rücken und einem tiefen Bewusstsein meiner Schuld, aber ich gehe auch von Dir mit dem Wissen, dass es einen Menschen gibt. Die Laterne des Diogenes ist zerbrochen. Sie zergeht in tausend Splitter von Dankbarkeit.

(Nur dieses eine Mal: Lass es keine Literatur sein.)

Sprachlosigkeit

Zerbrochene Berge, ganze Ketten implodierter Giganten. Ein kleiner Mann nach dem Anderen, der Ja und Ja sagt. Ich irre, mir die Augen vor Traurigkeit reibend, durch Straßen. Sie blinken. Sie stinken. Leuchtreklamen. Lügner! Leuchtreklame. Lügner! Moralisches Loch. Man wünscht sich wenigstens Immoralität. Aber menschenleer, puppenvoll. Du siehst in leere, falsch-glückliche Gesichter. Und Heimweh überkommt mich, nach einem Lande, dass ich schon hasste. Ach, sprecht doch mit mir!

labyrintisch

Meine Einsamkeit ist das Resultat meiner krankhaftigen Neigung ständig und immerdar zu denken. Ich wollt ich könnte den Knopf drücken, den Schalter umlegen. In den Augenblicken, in denen ich von mir sagen kann, dass ich nicht denke; in diesen Augenblicken entlade ich meine ganzen angestauten, oftmals mit Frustration aufgeladenen Gedanken wie eine Explosion. Ein Maschinengewehr rattert über das wüste Land. Es nimmt keine Rücksicht auf die Menschen – das ist meine widerliche Skrupelosigkeit. Die ewige Widerkehr des gleichen vermeintlichen Problems in meinen Gedanken dient nur der Selbsttäuschung darüber, dass das Problem eigentlich im Denken besteht. Ein Zen-Buddhist, glaube ich, hat einmal gesagt, dass das Denken ein wilder Affe ist. Ich kann ihn sehen wie er herumhampelt. Er trägt meinen Namen. Ich projeziere meine Probleme in die Umwelt und urteile daher oft vorschnell, aber vorallem – und das erscheint in meinem Falle das größere Übel zu sein – überzogen. Ein einfacher Blick gilt mir als Rassismus, die Einfacheit eines alltäglichen Lebens als Dummheit oder Stupidität. Ein Mensch, der mich nicht begreift, als kalt und gefühllos. Dabei bin ich es. Nur ich. Ich will nun nicht den Mut verlieren und mich in einer falschen Trostlosigkeit bettten. Ich will auch nicht “das Problem angehen”, weil das Problem nicht anzugehen, sondern schlicht zu lassen ist. Es sein zu lassen. Ich will es nur aufschreiben wie ein Vogel über das weite Land fliegt, um ein ganzes Leben zu überblicken. Was habe ich nicht alles getan und gesagt, erlebt und erfahren? Und es hört nicht auf, mit einer rasenden Geschwindigkeit und höllischen Intensität fliegt das Leben an mir vorbei, während ich auf ein Leben hinarbeite, dass nicht existieren kann. Zurück ins Jetzt. Ich kappe die Reißleine und lasse das Schiff fahren. Man kann planen und organiseren und das Resultat dieser Tätigkeit ist doch nur das Plagiat dessen, was man meinte geplant zu haben. Misstraue Allen die ihren Traum leben, denn sie könnten nur das Plagiat eines Traumes erschaffen haben, um zu erzählen sie lebten ihren Traum. Vielleicht sogar nur, um es sich selbst zu erzählen. Ach, der Mensch. Er findet einen Weg von dem Weg abzukommen – und darum ist das Dao zu heilig und anziehend, weil es abseits von allen Wegen in der Weglosigkeit selbst besteht. Wie man mit der Wahrheit immer an Paradoxe knallt! Ich bettle immer heimlich um Verzeihung, aber vielleicht nur damit ich es nicht ändern muss. Darum will ich nicht mehr darum bitten. Verzeiht mir nicht. Es gibt vielleicht auch nichts zu verzeihen, vielleicht ist es nur zu sehen, dass es so ist wie es ist – und Punkt. Ach, und habe ich mich nicht wieder anfänglich über meine Einsamkeit beschwert. Auch dies hinfort. Und das ist nun das Philosophische – ein Vomwegeabkommen, weil man einen Weg sucht. Ich hoffe es kann durchbrechen, dass nichts durchzubrechen und zu verändern ist. Das es ist. Man wartet doch immer noch – dumm wie man als labyrinthischer Mensch nun einmal ist – auf irgendeine Form von Erlösung und Vergebung. Es schleicht sich einem immer wieder ein. Und darum ist auch der Schlaf wohl so wichtig, weil er nicht sucht.

Ach!

Manchmal ist es schön Dich nicht zu seh´n. Und manchmal stößt Du mich von Dir, und ich weiß nicht warum. Du hast ganze Höllen in mir aufgetürmt. Und sie stürzen ein, wenn du mir wieder und wieder verzeihst. Und ab und an gehst du einfach. Du hinterlässt keine Nachricht. Du sagst mir nicht warum, denn Du willst, dass ich Deinen Schmerz begreife. Und begreife ich ihn? Begreife ich Dich, mein Freund? Ich erschaudere, denn es kann der Tag kommen, an dem Du nicht zurückkehren wirst. Meine offene Tür wird verlassen im Wind klappern, ich werde ab und an hinsehen und – du wirst nicht da sein. Ach! Dieser Ausruf – es ist als wäre er nur für Dich.

Ankommen

In der Ferne ist die Nähe und in der Nähe die Ferne. Du gehst einen Weg und blickst in den aufgehenden Tag. Was noch kommen wird, wird kommen und du sollst es nur willkommen heißen als wäre es ein alter Freund. Ich will alles Leid nehmen wie ein Glück und jedes Glück nehmen wie einen tiefen Schmerz. Man muss verlassen können, sich an nichts halten können außer an den Augenblick selbst. Und ist er nicht wahfhaftig und schön? Ein Paradies aus Vermissen und Vergebung, aus Licht und Erlösung, aus ekstatisch tanzenden Ausrufezeichen, Fragezeichen und lichternden Wellen. Im Nicht-Ich lebt das Ich, verweillt in ihm und lächeln in sich genügsam hinein. Ach! Du großes Leben! Du hoher Berg! Du weiter Weg! Ankommen ist gehen – und gehen schon angekommen zu sein. Ich habe Buddha gesehen.

Literatur

Der einsame Mensch schreibt. Er sitzt zwischen den treibenden, höhnenden Massen. Er hört sich das schallende, falsche Gelächter an. Er sitzt ohne Mädchen nach der Party verlassen dar. Er kann das widerliche Stöhnen hören, das zwei sich nicht-liebende in die Luft drücken. Zwischen zerbrochenen Flaschen und Träumen hockt er herum. Gerade dann wenn ihm alles widerlich geworden ist, beginnt er. Hier kann er seine Vergebung und Freiheit finden. Er will nur im Pathos des Schreibens baden, in der ständigen Aneinanderreihung von vermeintlichen Bedeutungen, von großen Worten, von mächtigen Bildern. Denn diese Gipfel, diese Kälte, dieser Schmerz; sie lohnen nicht – aber sie sind ihm alles.

Über das Glück

Das moderne Bild, das man sich vom “Glück” macht, ist auch nur Pathos und Ideologie. Aber es braucht Zeit bis eine derartige Erkenntnis durchbrechen kann – wenn sie es denn kann. Und der Mensch begehrt die Ideologie. Selbst der philosophische Mensch. Man kann es sehen: Leibniz ist ganu dort ulkig, wo es ans Eingemachte geht.